16.10.2015

Squeeze 2015

Wer hätte das gedacht. In den 80igern als wir alle noch wild und ungezähmt waren, habe ich so viel Musik konsumiert, dass ich den Keller in Bad Vilbel immer noch voll habe. Besonders geliebt habe ich Joe Jackson, The Specials, Madness und vor allem Squeeze. Und nach dem wir dieses Jahr schon Specials, Madness gesehen haben, ist Squeeze auf einmal wieder da und top-aktuell. Nach 17 Jahren Abstinenz haben sie wieder eine neue Platte (sagt man das heute noch?) aufgenommen und haben auch die Musik zu einer feinen, kleinen Serie auf BBC beigesteuert. Der Titelsong für die Serie ist auch gleichzeitig der Namensgeber für das neue Album.


Jünger sind auch die Musiker von Squeeze natürlich nicht geworden, aber immer noch sehr aktiv hier. Und weil wir in London natürlich alles mitnehmen was angeboten wird, stand jetzt ganz oben auf der Londoner Bucket List ein Konzert mit Squeeze in der Royal Albert Hall.

Royal Albert Hall, London - Nov 2012 by Diliff - Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Commons.
Und das war dann gestern und es war natürlich super (sonst würde ich hier gar nicht drüber schreiben). Wie schon bei den bisherigen Konzerten hier in London ist für uns als zurückhaltende Deutsche überraschend wie sehr die Engländer bei solchen Konzerten mitgehen.

Es füllt sich gerade
Obwohl die Songs von Squeeze nicht gerade einfach gestrickt sind, wurde bei den grossen Hits mitgesungen und in der altehrwürdigen Royal Albert Hall auch getanzt. Bei manchen der Herrschaften musste man ein wenig Sorgen haben, ob das ihr Herz noch mitmacht, aber die Stimmung war klasse.

Difford und Tilbrook
Der Sound war so lala. Ich schätze mal, dass die Royal Albert Hall damals nicht für New-Wave-Konzerte gebaut wurde. Aber die Lightshow war super, die Band war gut aufgelegt und steigerte sich in einen echten Spielrausch rein.
Nach so einem Konzert denke ich gerne über ein weiteres Jahr in London nach, es gibt ja noch soviel zu sehen...

Hier noch als Bonus Track der aktuelle "Hit" von Squeeze - "Happy Days"


15.10.2015

Great British Bake Off - unser zweites Mal

Über Fernsehen in England habe ich hier in dem Blog ja schon mal geschrieben. Hier mal über eine ganz spezielle Sendung, die uns jetzt schon im zweiten Jahr begleitet:


Als wir vor einem Jahr hier ankamen, war eines der Highlights im Fernsehprogramm das damals laufende Great British Bake Off 2014. Letztes Jahr war dieser Wettbewerb schon im fünften Jahr und gerade von BBC Two auf BBC One gewechselt, weil es in den Jahren davor schon so erfolgreich war.

Um mal zu zeigen wie erfolgreich die Sendung ist, hier die Top 3 Fernsehsendungen in England von 2014:
  1. Fußball Uruguay - England WM (wobei England übrigens verloren hat und ausgeschieden ist) - 13,9 Millionen Zuschauer
  2. Finale "Great British Bake Off" -  13,5 Millionen Zuschauer
  3. Sherlock, eine Folge der BBC Serie mit Benedict Cumberbatch - 12.7 Millionen Zuschauer
The Great British Bake Off ist eigentlich eine einfache Talentshow, so wie Masterchef oder auch "Das Supertalent". Allerdings geht es nur um Backen und der beste Bäcker bekommt keine eigene Show, eine Million oder ähnliches, dem Sieger winkt gerade mal der Titel und eine Kuchenplatte.
Das ganze findet in einem großen Zelt in einem englischen Park statt und wird von zwei "Comediennes" (Mel & Sue) moderiert.

Rechts Sue & Mel, links die Juroren Paul Hollywood und Marry Berry

Die Kuchen werden von zwei mehr oder minder bekannten Bäckern, Mary Berry und Paul Hollywood, bewertet. Diese zwei geben auch die Aufgaben vor und entscheiden am Ende jeder Sendung wer ausscheidet und wer den Titel Star Baker (also bester Bäcker der Folge) bekommt. Im Finale treten dann, die noch verbliebenen letzten drei Bäcker gegeneinander an und nur der beste wird dann benannt, es gibt keinen zweiten oder dritten Platz.
In jeder Folge backen die Teilnehmer sich durch drei Aufgaben, als da wären
  1. die Signature Challenge: Ein thematisch vorgegebenes Gebäck, bei dem Rezept und Zutaten den Teilnehmern überlassen wird, es muss nur ein paar Kriterien genügen, z.B. Blätterteig mit Fruchtfüllung
  2. die Technical Challenge: Hier werden Rezept und Zutaten sehr genau vorgegeben, die Teilnehmer bekommen eine begrenzte Menge an Zutaten und ein rudimentäres Rezept. Den Rest müssen die Bäcker dann durch Erfahrung oder Gespür selber herausbekommen
  3. die Showstopper Challenge: Hier geht es jetzt darum die Juroren zu beeindrucken. Funktioniert wie die Signature Challenge, nur haben die Teilnehmer mehr Zeit und dementsprechend bombastisch wird dann auch das Ergebnis

Und wieso ist das jetzt spannend? 

Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Ich schätze mal hier kommen viele Sachen zusammen. Das Ganze geht für einen Wettstreit sehr entspannt zu, die Teilnehmer helfen sich sogar gegenseitig, die Moderatoren agieren eher zurückhaltend bis auf das etwas nervige Startkommando: Get - Set - Baaaake! und fast alle Teilnehmer kommen sehr sympathisch rüber. Und vielleicht ist ja das Backen wirklich eine sehr angenehmer Britischer Wesenszug.


Die Ausstrahlung der Folgen war immer am Mittwoch. Jeden Freitag gab es dann auf BBC 2 noch eine humorige Nachlese der letzten Folge, bei der dann auch der als letzte ausgeschiedene Bäcker noch einmal auftritt und die besten Momente vom Mittwoch erörtert werden. Alles rundum sehr sympathisch.
In UK hat das natürlich zu einem neuen Back-Boom geführt, die Umsätze von Backbücher und Zutaten gehen durch die Decke, die beiden Backjuroren verkaufen was das Zeug hält und die beiden Moderatorinnen sind natürlich auch in anderen Sendungen sehr gefragt.
Für uns war es beim zweiten Mal immer noch eine Sendung zum Mitfiebern. Wir haben alle Folgen aufgenommen und geschaut wann gerade Zeit war. Fast jeder von uns hatte einen Favorit und das Finale war auch diesmal die Krönung. Wer will kann sich alle Folgen noch auf Youtube (wenn auch in schlechter Qualität) anschauen, da Bake Off seinen eigenen YouTube-Kanal hat. Jetzt denken wir schon über Great British Bake Off 2016 nach und wie wir das dann in Deutschland sehen können.

09.10.2015

Rugby World Cup 2015 - das lief eher suboptimal

Es hätte so schön werden können; World Cup in Rugby in England mit dem Finale bei uns um die Ecke in Twickenham.

Anton und Elan vorm Twickenham Rugby Stadion: The Home of England Rugby

Ganz England war zwei Wochen im Rugby-Rausch. Alle Werbung war auf Rugby ausgerichtet, die Werbegeschenke waren alle nur noch Ei-förmig und Waterloo-Station zugepflastert mit Rugby-Plakaten.

Zuerst sah es noch ganz gut aus. Ziemlich sicher gewann England das erste Spiel hier in Twickenham gegen Fiji 35-11. Und dann versemmelte England alle seine Chancen, in dem die Mannschaft erst Wales und dann auch noch Australien unterlag.
Ausgeschieden in der Vorrunde, was für ein Debakel.
Vielleicht sollte Großbritannien sich überlegen, ob sie nicht als komplettes Land bessere Chancen hat. Wales und eventuell sogar Schottland sind wohl weiter dabei, nur England hat es erwischt. Gottseidank nehmen es die Engländer sportlich, sind ja Kummer gewohnt. Da erfinden die andauernd neue Sportarten (Cricket, Tennis, Rugby, Fußball), bringen diese in die weite Welt und verlieren dann am Ende gegen ihre eigenen Schüler. Derzeit Top sind die Engländer noch in Darts, Snooker und vor allem Bowls.
Bowling Green im Battersea Park
Aber warte nur ein Weilchen England, dann gewinnt Fiji auch noch die Bowls Meisterschaften.

Kew im Herbst

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah: Auch im zweiten Jahr hier in London haben wir eine Jahreskarte für die Royal Botanic Gardens in Kew gekauft und können da immer noch Ein- und Ausgehen.
Immer wieder klasse: Das Palmenhaus
Und dazu haben wir auch noch eine bald auslaufende Mitgliedschaft für die Historic Royal Palaces und zu denen gehört der Kew Palace, ein Palast in Kew Garden. D.h. wer in den Kew Palace will, muss erst einmal Eintritt für den Kew Garden und dann noch ein zweites Mal für den Kew Palace bezahlen. Wir Sparfüchse kommen natürlich in beides gratis rein.
Ein richtiger Palast ist der Kew Palace nicht, eher ein Wohnhaus für die königliche Familie von King George III.

Puppenstube im Kew Palace
Das Haus war nicht zum Repräsentieren gedacht, sondern eher ein Rückzuggebiet für die Familie des kranken König (der war nämlich ein bisschen Gaga). So gibt es in dem Palast keine grossen Prunkzimmer oder riesige Säle sondern kleine praktikable Zimmer und überschaubare Flure.

Hier der Salon
Und wir hatten Glück. Kew Palace ist inzwischen für die Wintermonate geschlossen und macht erst wieder im Frühjahr auf.
Nach dem Besuch des Palace sind wir dann noch durch den herbstlichen Kew Garden und haben mit Nora (meine Nichte, die z. Z. bei uns wohnt) den Treetop Walkway bezwungen.

Auf der anderen Seite kann man, wenn man ganz genau hinschaut, Antja und Nora erkennen

04.10.2015

Pferderennen und Madness Konzert - One Step Beyond


Da wir gerade so schön bei Konzerten sind, gleich noch ein zweites, ganz besonderes hinterher. Und zwar zieht derzeit die Ska-Band Madness (für die spät geborenen unter den Lesern: Das war eine der Top-Bands in den 80ern) über die Pferderennbahnen Englands und tritt nach dem Renntag gleich neben der Rennbahn auf. Tickets sind für beide Events gültig.

Hier gibt es noch klassische Buchmacher

Somit konnten wir gleich zwei englische Freizeitbeschäftigungen mit einem Besuch bewundern, Pferderennen und -wetten, sowie das Mitsingen bei Open Air Konzerten. Die gewählte Rennbahn war jetzt nicht gleich Ascot sondern der Newbury Racecourse ca. 80 Meilen westlich von unserem Zuhause und London. Das Wetter war ausnahmsweise wieder super und so haben wir uns an einem Samstag Mittag in Newbury mit vielen anderen am Eingang in einer Schlange wiedergefunden.
Das Publikum war etwas anders als wir es von Londoner Events gewohnt sind, sehr englisch, nicht so international. Die Damen hat sich aufgehübscht, die Herren waren noch recht rustikal.
Zusammen mit dem Ticket hatten wir Gutscheine für Essen und Trinken und natürlich Gutscheine zum Wetten bekommen. Auf dem Wettzettel standen 7 oder 8 Rennen, da galt es sich schnell kundig zu machen, wie das Wetten funktioniert und natürlich die richtigen Pferde auszuwählen.
Hier am Führring haben wir uns die Pferde ausgesucht
Da wir von Pferden und Galopprennen etwa soviel Ahnung haben wie von balinesicher Tempeltanzkunst, haben wir gleich einfach nach Gutdünken und Aussehen der Pferde entschieden. Folgerichtig haben wir mal gewonnen und mal verloren, wie es sich gehört und am Ende tatsächlich mehr als den Einsatz wieder rausgeholt, als wir im letzten Rennen auf das einzige deutsche Pferd im Rennen gesetzt haben.
Der vordere ist unser Favorit
Unsere Verzehrgutscheine zu verwenden war da schon schwieriger. Überall waren mittelgrosse Schlangen für die Essensstände, wie für Getränke. Manche schienen da auf Nummer sicher zu gehen:
Die Herren dachte sich: "Better safe than sorry"
Und für unsere Pies haben wir bestimmt eine halbe Stunde angestanden. Dazu muss man auch wissen, dass es auf der Rennbahn auch eine Klassengesellschaft gibt; insgesamt drei verschieden Tribünenarten gab es und wir waren natürlich auf den billigsten Plätzen. Dort gibt es dann das einfachere Essen, die längeren Schlangen und man unterliegt keinem speziellen Dresscode. Am Ende des Renntags gingen dann die Schranken auf und wir durften auch in die etwas feineren Abteilungen.
Um kurz nach fünf fing dann recht pünktlich das Konzert an.
"One Step Beyond"
Ich kannte ja Madness noch aus der "guten alten Zeit"©, aber trotz mittlerweile 35 Jahren Bandgeschichte, erschien mir die Band immer noch sehr gut aufgelegt und gar nicht so routiniert wie erwartet. Das Publikum war wie immer bei den Konzerten, die wir hier in England besucht haben, voll dabei und die Umgebung mit Rennbahn und Wald war einfach superb.

Als das Konzert losging habe ich dann noch festgestellt, dass ich meine Kamera irgendwo liegen gelassen habe. Aber Wunder oh Wunder wir haben sie bei der Rezeption zurückerhalten, sonst hätten wir hier auch nicht so schöne Fotos.

Die Rückfahrt zog sich etwas, dank Wochenendstau aber das hat sich auf jeden Fall gelohnt, ich habe sogar einen Sonnenbrand auf der Nase mitgebracht.

27.09.2015

Hoxton und die Great Lake Swimmers

Da wir ja jetzt schon über die Hälfte der geplanten Zeit, die wir in London leben wollten, hier sind, haben wir bei manchen Sachen, die wir unternehmen, schon das Gefühl, dass wir das zum letzten Mal machen oder dass wir das unbedingt noch mitmachen müssen. Besonders bei Konzerten beschleicht mich das Gefühl, dass wir von der Sorte nicht all zu viel in Frankfurt und Umgebung erleben werden.
Wir haben ja schon viel im Rhein-Main Gebiet gesehen und mitgemacht nur Konzerte in London sind schon etwas sehr spezielles.

Diesmal standen die Great Lake Swimmers auf dem Zettel, eine kanadische New Folk Band. Und diesmal war es keine Mega-Riesig-Arena sondern ein kleiner Club in Hoxton und das ist natürlich viel besser.
Zuerst haben wir so nahe an der Bühne gestanden, dass die Hosenbeine mitgewippt haben, wenn der Schlagzeuger auf die Bass-Drum eingedroschen hat. Dadrauf haben wir uns weiter nach hinten verzogen und es wurde noch ein prima Konzert.


Besonders gelungen war dann noch der Song "I must have someone else's blues" (s.o.), da durften wir alle mitsingen.

Danach sind wir noch kurz durch das hippe Hoxton und sind dann wieder zurück ins eher beschauliche Richmond gefahren, wo Fuchs und Eichhörnchen sich gute Nacht sagen.

15.09.2015

#LoveRefugees

Das Thema Flüchtlinge ist inzwischen auch in UK angekommen, auch wenn David Cameron und die Tories darüber erst gar nicht reden wollen. Da die Tories ja nächstes Jahr darüber abstimmen lassen, ob Großbritannien überhaupt noch in der EU bleiben soll, war klar, dass die britische Regierung sich auch kaum um Flüchtlinge innerhalb der EU kümmern möchte. UK gehört ja auch nicht zum Schengen Gebiet und hat auch ganz andere Grenzbestimmungen was wiederum zu einigen Problemen in Calais führt.
Aber Großbritannien und London sind ja nicht nur die Tories und die Regierung. Inzwischen werden die Stimmen hier laut, die die Regierung auffordern, die Grenzen zu öffnen und mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Die gesamte Immigrationspolitik steht jetzt auch hier auf dem Prüfstand und das ist gut so. Wenn man sich London so ansieht, kann man sehr gut erkennen wie eine Stadt von Immigranten profitiert. London wäre sehr viel langweiliger und provinzieller ohne den ständigen Zuzug von Migranten. Und so wurden wir von Secret Cinema zu einem extra Abend unter dem Motto #LoveRefugees mit Film und Musik eingeladen.


Das ganze war wie auch die vielen anderen Secret Cinema Events gut organisiert und die Einnahmen gingen zugunsten des Refugee Councils sowie einer gleichzeitigen Filmaufführung in dem Flüchtlings-Camp in Calais.
So sah es in Calais aus

Startpunkt war der schnieke Sloane Square in Chelsea, wo sich die kleine Protestgruppe versammelte (fast so etwas wie eine Demo).


Von da aus ging es zum Veranstaltungsort, der Cadogan Hall. Zu sehen gab es zwei sehr intensive Filme über Flüchtlingskinder, die uns doch etwas bedrückt zurück ließen und Musik von zwei Künstlern.
und so sah es in London aus

Der Sprecher des Refugee Councils, der das ganze moderierte, fasste die Flüchtlingsthematik sehr schön zusammen, in dem er in ungefähr sagte: "Flüchtlinge sind keine Bedrohung, sondern ein Zugewinn für jede Gesellschaft".
Wollen wir mal hoffen, dass David Cameron und die britische Regierung das bald ähnlich sehen.
#LoveRefugees